Technische Voraussetzungen zum Mischbetrieb Präsenz / Remote im Wintersemester 2020/21



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    Die uneingeschränkte Kommunikation zwischen TeilnehmerInnen im Hörsaal und Remote wird als essenziell angesehen. Beide Gruppen sollen einander hören und mitteilen können. Insbesondere Tafelanschriebe sollen unbedingt auch für Remote TeilnehmerInnen sichtbar sein.



  • Wie die meisten Leute wissen habe ich viele Jahre am Freitag Nachmittag genau dieses Format "erforschen" dürfen im Rahmen der MI-Days. Es hat mir kräftige Beinmuskeln eingebracht weil ich wie ein Irrer durch das Aquarium gerast bin, um die Fragen und Diskussionsbeiträge im Audience auch in den Stream zu bekommen. Daneben sassen Felix oder Benni am Streaming Equipment und haben den Chat überwacht. Die Kamera folgte dem Redner dank eines Tokens in der Hosentasche automatisch. Die ganze Veranstaltung wurde aufgezeichnet und konnte zu jeder Zeit dann offline angeschaut werden. Untertitelung allerdings hatten wir leider noch nicht. WebRTC lange Jahre nicht.

    Streaming und seine Probleme und Möglichkeiten sind seltsamerweise an der HOCHSCHULE DER MEDIEN nie wirklich angekommen. Vorschläge zum Ausbau der Räume in Zusammenarbeit mit der Uni Stuttgart abgelehnt worden. Auch bei MI mussten Chris Lindenmüller und ich immer viel Überzeugungsarbeit leisten, warum eine mobile Plattform eigentlich unsinnig ist. Das Ergebnis ist, dass die HDM heute auf eine Mischform von Saal und Remote nicht vorbereitet ist.

    Der Blick nach vorne: BBB und Zoom sind der kleine Anfang einer Entwicklung, die online und offline bruchlos miteinander verheiraten wird. Bei der die Location tatsächlich keine Rolle mehr spielt. Bei der die Zusammenarbeit effektiv durch Tools unterstützt wird. Ein Beispiel ist das Konzept "intelligent rooms" das bereits vor vielen Jahren in Stanford entwickelt und erforscht wurde. Die Teilnehmer im Raum können Inhalte ihrer Rechner jederzeit und einfach für alle sichtbar machen. Man kann an einem Ding kollaborativ arbeiten. Dieses Konzept muss schlicht den digitalen Raum mit einschliessen, dann erreicht man die Verschmelzung von offline und online. Automatische Aufzeichnung von Veranstaltungen muss selbstverständlich sein, alles andere ist Resourcenverschwendung auf Seiten der Dozenten wie Studenten. Die Aufzeichnung ermöglicht auch die Einbindung von Studierenden, die aus welchen Gründen auch immer die live-Veranstaltung nicht sehen konnten.

    Aber macht Mischbetrieb überhaupt Sinn?
    Nehmen wir an wir schaffen eine bruchlose Verbindung von offline und online in solchen Veranstaltungen: Online Teilnehmer hören alles und können aktiv teilnehmen, ihre Bilder sind im Saal am Beamer sichtbar usw. Aufgezeichnet wird auch. Wieso sollte jemand noch in den Saal kommen????? Über allem siegt immer die Bequemlichkeit, das ist das erste Theorem der User Experience in meinen Augen. Meine Voraussage ist, dass in solchen Mischveranstaltungen dann ein kleines Grüppchen anwesend ist, der Rest ist remote. Das Grüppchen wird jede Woche kleiner...
    Erstes Semester mal ausgenommen, da glaubt man noch an "Vorlesungen". Hat jemand mal ausgerechnet, wieviel Zeit Studis wie Dozenten beim Pendeln liegenlassen?
    SE2 Übungen, Freitag 8.15 seit vielen Semestern.
    Im Präsenzbetrieb: 6-8 Studierende, teilweise mehr Tutoren als Studis.
    Online: 70 von ca. 85 Studierende anwesend. Rege Fragen, Review-Bitten etc.
    Ich habe nach den Gründen gefragt. Die Antwort:
    um 6 Uhr aufstehen, damit man bis 7 Uhr gemütlich frühstücken kann. Dann ab ins Vergnügen des Öffentlichen Nahverkehrs damit man gegen 8.15 an der HdM ist im Labor. Warten bis die Gruppe da ist. Dann Arbeit bis 9.45 und dann wieder nach Hause. Würden Sie kommen Herr Kriha??

    Meine Evaluation von SE2 zeigt, dass auch eine online Betreuung von Gruppenarbeit gut möglich ist. Und man kann leicht Extratermine ausmachen für spezielle Probleme. Kritikpunkt der Evaluation ist in erster Linie "flipped Learning". Es ist ungewohnt und braucht mehr Zeit. Die jetzt aber auch da sein müsste mangels Pendeln...

    Also:

    • Educational und collaborative tooling sind nicht eine Frage von IT-Operations an der HdM sondern ein Kernforschungsgebiet für eine Hochschule der Medien. Wir haben die Einzelkompetenzen technischer und didaktischer Art, aber bündeln sie nicht.
    • Es braucht einen radikalen Blick nach vorne in Bezug auf alle Angebote einer Universität: An welchen Kreis von Studierenden richten wir uns? Welche Rolle spielt dabei der Wohnort? Die soziale Lage in Hochmietgebieten? Wieso kommen wir physisch zusammen? Bedeutet Internationalisierung IMMER reisen? Wie kompetitiv wird die Professorenfrage wenn damit nicht mehr automatisch ein Umzug verbunden ist? Wie nutzt man Equipment remote (ich hatte mal ein Forschungsprojekt zu remote virtual labs im Bereich Nanotechnologie)? Wie weit entwickelt sind Fachgebiete und Studiengänge? Game Development z.B. ist seit vielen Jahren international und remote organisiert. Softwareentwicklung auch in der Industrie - nur an der Uni bisher nicht. Und last but not least wie organisiert man das alles? Hoffentlich nicht so wie man es immer an der Uni macht: wie eine SPO - man geht vom Existierenden aus und versucht es in einen Zeitplan zu giessen. Ohne Dinge grundsätzlich in Frage zu stellen.

    Ich spüre momentan keine Aufbruchstimmung sondern eher ängstliches Bemühen zum Alten zurückzukehren.


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